10 Thesen und Beobachtungen zur Corona-Krise und deren Auswirkungen auf Konsumenten und Handel

Eine nie dagewesene Krise, hervorgerufen durch die rasante Ausbreitung des Sars-CoV-2 Virus, beschäftigt uns in diesen Wochen und wird das soziale und wirtschaftliche Geschehen auch in den nächsten Monaten dominieren.

Mit unseren 10 Thesen und Beobachtungen zeigt Safaric Consulting die aktuellen Auswirkungen auf Konsumenten, Handel und Konsumgüterunternehmen, und welche notwendigen Veränderungen und Trends sich andeuten. 

Wo steht der Konsument?

(1) Der Konsument ist verunsichert und nicht in Kauflaune.

Nachdem das Konsumklima schon zu Beginn des Jahres stagnierte, zeigt es sich laut GfK durch die Pandemie „schwer infiziert“.

Der Konsument hat sein Nachfrageverhalten der Situation angepasst und investiert in die Ausstattung des Home Office und in die Sicherung des täglichen Bedarfs.

Unsichere Konjunkturaussichten und zunehmende Kurzarbeit führen zu „historischen“ Rückgängen in der Konsumneigung und befeuern den Kampf zwischen Supermärkten und Discountern. Der Handel muss seine Sortiments- und Preispolitik anpassen und sich auf ein allgemein schwierigeres Konsumklima einstellen.

(2) Große Veranstaltungen und Sommerurlaube fallen weg bzw. verschieben sich und ändern die Konsumentenbedürfnisse in diesem Jahr.

Nationale (z.B. Messen und Kongresse) und internationale Großveranstaltungen (z.B. Fußball-EM und Olympia) fallen bis auf weiteres als branchenübergreifende Nachfrage-Impulsgeber weg. Saisonale Kaufimpulse sind durch die Pandemie schon ausgefallen und werden in den nächsten Monaten – wenn überhaupt – nur sehr eingeschränkt wirken. Der Handel muss andere emotionale Ansprachen zum Kunden finden.

(3) Konsumenten zeigen Solidarität und unterstützen den lokalen Händler und Dienstleister.

Eine Mehrheit der Konsumenten befürchtet, dass der stationäre Handel die Krise nicht überstehen wird (basierend auf dem 3. Corona Consumer Check des IFH, Köln). Diverse lokale (z.B. Helfen.Berlin) aber auch überregionale Initiativen (z.B. kaufnebenan.de) zur Stärkung der kleinen lokalen Händler und Dienstleister sind sehr erfolgreich und werden von einer Welle der Solidarität getragen. Verbraucher schätzen ein funktionierendes lokales Eco-System – ein Trend zu stärkerer Lokalität könnte sich abzeichnen.

(4) Die Altersgruppe 60+ wird zu den neuen „Power-Shoppern“ im Internet.

Im Jahr 2019 machte laut Statista die Altersgruppe der über 60-Jährigen nur ca. 11% aller Online-Shopper aus. Im Lockdown mussten viele ältere Konsumenten auf digitale Kanäle ausweichen. Diese Veränderung im Kaufverhalten wird sich nur teilweise zurückdrehen, weil die emotionale Barriere für einen Online-Einkauf durch die Erfahrungen der letzten Wochen, Stichwort „Social Distancing“, gesunken ist.

Wie müssen sich Unternehmen der Handels- und Konsumgüterbranche kurz- und mittelfristig anpassen?

(5) Unternehmen müssen sich darauf vorbereiten, dass es in den nächsten Monaten zu einem weiteren Lockdown kommen kann.

Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht aktuell, wie eine schrittweise Rückkehr zur Normalität gestaltet werden kann. Es gibt dazu aber keine Erfahrungswerte und somit besteht das Risiko, dass einzelne oder im Extremfall alle Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen. Für Handelsunternehmen ist es daher zwingender Bestandteil eines professionellen Risikomanagements, den Ausnahmezustand der letzten Wochen schnell strukturiert aufzuarbeiten und eine Strategie für einen möglichen weiteren Lockdown des öffentlichen Lebens und der Arbeitswelt zu entwickeln.

(6) Unternehmen haben ihre Prozesse massiv umgestellt – diese Umstellung wird länger dauern als ursprünglich gedacht.

Alle Händler und Konsumgüterhersteller mussten in den letzten Wochen improvisieren. Häufig wurden dabei etablierte Prozesse und Strukturen aufgebrochen. Eine zentrale Herausforderung der kommenden Monate wird daher sein, die Sonderlösungen wieder in einen strukturieren Regelbetrieb zu überführen. Unternehmen sollten dabei zwischen Innovationen, die weitergeführt und ausgebaut werden sollen, und Notlösungen, die mittelfristig wieder abgeschafft werden müssen, differenzieren.

(7) Home Office und digitale Anwendungen / virtuelle Zusammenarbeit werden fester Bestandteil der Arbeitswelt.

Die letzten Wochen haben in vielen Unternehmen eindrücklich bewiesen, dass Home Office und die digitale Kollaboration funktionieren. Sowohl mit Blick auf ein attraktives Arbeitgeberprofil als auch in Bezug auf kosteneffiziente Prozesse (z.B. digitale Kollaboration anstelle von Dienstreisen) wird es daher zwingend erforderlich sein, diese Basis weiter auszubauen und die eigenen Prozesse, Strukturen und IT-Systeme in diesem Bereich weiter zu optimieren.

Welche Trends deuten sich für diese Unternehmen an?

(8) Kreative kleine Händler behaupten sich durch neue Services und durch die Solidarität der Kunden.

Die Geschäfte der großen stationären Händler in den Innenstädten sind geschlossen, die Online-Kanäle von Amazon und anderen sind überlastet. Kleine Händler können aber aufgrund ihrer höheren Flexibilität und Eigenständigkeit spontan neue Services wie „Call & Collect“ oder „E-Mail & Bring“ anbieten. Die Kunden finden diese neuen Services nicht nur komfortabel, sondern zeigen mit Initiativen wie „Support your local“ Solidarität für den Buch- und Spielwarenladen um die Ecke – eine neue Form der Kundenbindung, aus der kreative kleine Händler gestärkt hervor gehen können.

(9) Der Trend zu Omni-Channel Geschäftsmodellen wird sich beschleunigen.

Seit ca. sieben Jahren transformieren viele Handelsunternehmen ihr Geschäftsmodell hin zu einem Omni-Channel Ansatz, d.h. der vollständigen Integration unterschiedlicher Kommunikations-, Kauf-, Bezahl-, Liefer- und Retourkanäle. Während Kunden durch die aktuellen Beschränkungen mehr Schritte ihres Kaufprozesses auf den digitalen Kanal verlagert haben, werden sie nach der Krise Teile davon weiterhin digital, andere wieder physisch abwickeln. Diesen Kanal-Mix können nur Omni-Channel Händler erfolgreich bedienen.

(10) Unternehmen werden große Investitionen in IT-Plattformen in 2020 nicht tätigen, jedoch 2021 umso mehr.

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Unsicherheit und den akuten Herausforderungen im operativen Tagesgeschäft stoppen viele Händler kurzfristig größere Transformationen ihrer IT-Landschaft. Mittel- und langfristig erhöht die aktuelle Krise aber den Effizienz- und Innovationsdruck und damit den Bedarf die IT-Plattformen weiterzuentwickeln. Händler sollten sich daher weiter ganz bewusst mit ihrer „Digitalen IT-Strategie“ beschäftigen.